Die Geschichte(n) vom Wieseneck

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Artikel aus den Stralsunder Heften

Jg. 2019,
ISBN 978-3-95872-067-1,

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Digitaldruck Kruse,
Preis: 9,50 €
www.mv-druck.de

1907 betrat Emil Hirsekorn, Geschäftsmann aus Berlin, zum ersten mal die Insel Hiddensee, in dieser Zeit reifte der Plan, sich auf dieser schönen Insel selbstständig zu machen. 1913 wurde das Landhaus „Wieseneck“ von Lina und Emil Hirsekorn in Kloster auf der Insel Hiddensee erbaut und 1921 durch das „Klosterkaffee“ erweitert. Familie Hirsekorn hatte schon im Herbst 1910 auf Hiddensee mit dem Bau des Bergwaldhotels „Zum Klausner“ begonnen, das am 31. Mai 1911 eröffnet wurde. Das „Wieseneck“ war von Frühjahr bis Herbst geöffnet, Gäste kamen aus allen möglichen Gegenden, aus Bayern, Österreich, vom Rhein , aus Berlin. Im Zweiten Weltkrieg, als die Zerstörungen von Berlin und Hamburg begannen, blieben viele Sommerhausbesitzer auf Hiddensee wohnen. 1927 hielt die moderne Zeit Einzug, es gab elektrischen Strom und die ersten Radios.

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges verschlechterte sich zunehmend die Versorgungslage auf Hiddensee, 1944 wurde die Gastronomie ganz geschlossen. Zum Kriegsende war das „Wieseneck“ voller Flüchtlinge, 1945 wurden russische Offiziere einquartiert. Auf Hiddensee arbeiteten nach dem Krieg viele russische und polnische Arbeiter in der Landwirtschaft des Gutshofes, im Herbst 1945 verließen auf Grund großer Lebensmittelknappheit viele Flüchtlinge die Insel.

 

Im Juni 1946 hatte sich die Lage etwas verbessert, das „Wieseneck“ wurde wieder geöffnet. In dieser Zeit musste sehr viel improvisiert werden, es gab oft Stromsperren und sehr wenig Lebensmittel. In der Nachkriegszeit herrschte viel Elan, die Naziherrschaft war vorbei, es herrschte Aufbruchstimmung.

 

Im gleichen Jahr heiratete Erika Meding, eines der Kinder der Familie Hirsekorn, Gerhard Meding. Beide führten nach 1959 die guten und langjährigen Traditionen des „Wieseneck“ weiter, welche durch die Familie Hirsekorn geprägt wurden. Das ungeschriebene Gesetz Lina Hirsekorns „Der Gast ist König“, war in guten wie in schlechten Zeiten für die Familie Hirsekorn und später für die Familie Meding Grundsatz, dafür war das Wieseneck bekannt und beliebt. Vater Hirsekorn verstarb schon 1922, seine Frau, Lina Hirsekorn starb im Jahre 1959.

Nach den Kriegswirren stellten sich langsam wieder Gäste ein, viel bekannte Künstler wie Wolfgang Langhoff, Jürgen Fehling, Joana Maria Gorvin und Otto Gebühr besuchten die Insel Hiddensee und ließen sich im Wieseneck verwöhnen. Aber auch vor Kriegsbeginn besuchten viele bekannte Künstler wie der Bildhauer und Grafiker Ernst Barlach, der Schauspieler Friedrich Kühne, die Opernsängerin Lotte Lehmann der Dichter Theodor Däubler, der Kritiker Herbert Jehring, der Regisseur Sladan Dudow oder der Verleger Gustav Kiepenheuer die Insel und das „Wieseneck“.

1953 änderten sich die Zeiten, im Rahmen der „Aktion Rose“ wurden alle Hotels und Gaststätten von einer staatlichen Wirtschaftskommission überprüft und in dessen Folge enteignet. Bei Nacht und Nebel verließen viele Eigentümer das Land in Richtung Westdeutschland. Viele der enteigneten Gaststätten und Hotels wurden FDGB Einrichtungen (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund), sie dienten als Urlaubsobjekte für den gewerkschaftseigenen Feriendienst der damaligen DDR.

 

Das Wieseneck wurde wie auch einige andere Einrichtungen nicht enteignet, musste aber FDGB – Vertragsobjekt werden. Ab diesem Zeitpunkt durften in der Pension keine privaten Urlaubsgäste mehr untergebracht werden, die Versorgung der Gaststätten und Hotels auf Hiddensee erfolgte auf Zuteilung. In den achtziger Jahren wurde die Versorgung schlechter, die Schwierigkeiten immer größer. 1983 wurde dem „Wieseneck“ das Rostocker Düngemittelwerk als Partner zugewiesen.

 

1989 starb Gerhard Meding. Erika Meding musste das Wieseneck mit Grund und Boden erzwungenermaßen an das Düngemittelwerk verkaufen. Nach der Wende bekam Sie das Haus im Rahmen der Rückübertragung zurück.

 

Seit 1996 wird die Pension Wieseneck incl. des Restaurantes durch Berliner Gastronomen betrieben. Im gleichem Jahr erfolgte die umfangreiche Renovierung des gesamten Hauses.

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